Ehemals römisch besiedelte Gebiete in Deutschland sind heute noch immer tendenziell wohlhabender und die Lebenszufriedenheit ist höher als in ehemaligen germanischen Territorien. Das zeigen mehrere Studien. Die Unterschiede lassen sich oft sogar für direkt aneinander angrenzende Regionen nachweisen.
Leider auf sci-hub nicht gelistet :(
Edit: ist er doch -> https://sci-hub.ren/10.1007/s10887-017-9144-0
Also wenn ich das richtig sehe, nimmt er eine Karte der nächtlichen Beleuchtung, welche gerne als Indikator für wirtschaftliche Aktivität genommen wird. Das kann man machen, ist aber aus meiner Sicht nicht für Deutschland nicht wirklich sauber. Wenn wir keine besseren Daten haben wie etwa für Nordkorea dann ist das eine gute Annäherung, aber für Deutschland haben wir sehr feingliedrige Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistiken, die auch regional unterschiedlich aufgelöst sind.
Aber was sehen wir? Im Kern ist das ja bis auf diverse Ausnahmen erstmal eine Darstellung der Bevölkerungsdichte. Viel Licht = viel Bevölkerung = viel Wirtschaft, um es mal platt zu sagen. Wir sehen das, was wir eh schon wissen: Am Rhein, in Frankfurt, Mannheim, Stuttgart und dem Ruhrgebiet wohnen viele Menschen.
Und jetzt ist die Frage: Wohnen in der Gegend so viele Menschen, wegen der Römer oder aus anderen Faktoren? Wir wissen, dass einige Städte durch die Römer gegründet oder groß geworden sind. Köln, Trier, Mainz. Andere Städte hingegen haben nach der Römerzeit ihre Wichtigkeit verloren - Xanten etwa. Wir wissen aus dem Ruhrgebiet, dass es dort halt auch mit dem Hellweg vorrömische Handelswege und Siedlungen gab, dass die Römer dort vorgestoßen sind, nicht richtig Fuß gefasst haben, aber dass der große Bevölkerungsboom, den man auf der Karte sieht, natürlich dann durch die Kohle kam. Wir wissen auch, dass es aktuell starke Bevölkerungswanderungen gab und gibt - die ehemalige DDR nach der Wende ist hier das beste Beispiel. Wenn dort weniger ökonomische Aktivität/Licht ist, dann kann man natürlich überlegen, ob das mit den Römern zu tun hat oder ob die naheliegende Erklärung irgendwas mit der DDR, den Sowjets oder dem Kaiserreich zu tun hat.
Wenn wir z.B. mal eine Bevölkerungsdichtenkarte aus 1910 daneben legen, dann sehen wir gerade in Bayern und München, wie sehr das letzte Jahrhundert Veränderungen gebracht hat. Das Wachstum Münchens kann ich also z.B. nicht mit den Römern erklären, weil es anscheinend zwischendrin nicht vorhanden war. Und man sieht auch krass, wie sehr Sachsen abgehängt wurde, was im Zweifelsfall die Menschen dort mehr prägt als irgendwelche römischen Thermenruinen.
Und das ist auch genau das, was mich an der Studie stört: Wir wissen ja, dass die süddeutschen Regionen gerade wirtschaftlich boomen und massenhaft wachsen. Das ist aber ein Phänomen der BRD. Dazu kommt auch noch der geographische Faktor - Main und Neckar sind praktischerweise auf der Karte oben nicht eingezeichnet, aber halt wichtige Verkehrswege, genau wie der Rhein. Und die waren auch schon in vorrömischer Zeit wichtig, genau wie große Flüsse überall weltweit halt extrem wichtig als Siedlungs- und Handelsraum.