Hausaufgaben verschärfen nach Ansicht der Linken die soziale Spaltung in Deutschland. Die Partei will sie streichen. Ideen für Alternativen gibt es bereits.

Die Linke will die Hausaufgaben für Schülerinnen und Schüler abschaffen. Hausaufgaben seien »eine Klassenfrage«, sagte Linkenchef Jan van Aken dem »Stern«

Kinder von Akademiker-Eltern seien hier im Vorteil gegenüber anderen Kindern. »Lernen gehört in die Schule, nicht ins Wohnzimmer«, betonte van Aken.

»Hausaufgaben vertiefen die soziale Spaltung«, zitierte der »Stern« aus einem Papier, das van Aken mit der Linkenbildungsexpertin Nicole Gohlke verfasst hat. Darin heißt es weiter: »Wer Eltern hat, die helfen können, kommt weiter. Wer nicht – bleibt zurück. Wer kein eigenes Zimmer hat, keine Ruhe, keine Unterstützung, bekommt schlechtere Noten.« Dies sei »keine individuelle Schwäche, das ist strukturelle Ungerechtigkeit«.

Die Linke reagierte damit auf eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Untersuchung zeigt, dass Erstklässler aus Familien mit geringen Einkommen und geringerer elterlicher Bildung in Deutschland mit größeren Bildungsnachteilen starten als in vielen anderen Ländern.

Auch andere Bildungsfachleute hatten wiederholt die Hausaufgaben infrage gestellt, etwa die Bildungsökonomin Jutta Allmendinger, langjährige Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin. Ihrer Ansicht nach verschärfen die Aufgaben je nach sozialer Herkunft die Kluft zwischen den Schülern: Wo im Elternhaus Ressourcen und Vorbildung vorhanden sind, gibt es tendenziell mehr Förderung als in Familien ohne akademischen Bildungshintergrund. Und der Bürgerrat Bildung hatte im Januar empfohlen, Hausaufgaben durch Vertiefungsstunden zu ersetzen, die im Stundenplan integriert werden. Eine Idee, die auch bei der Linken Anhänger findet.

In ihrem Fünfpunkteplan fordert die Partei neben der Abschaffung der Hausaufgaben auch die komplette Freistellung von allen Schulgebühren – auch für Bücher, Schulessen, Tablets und Fahrkarten –, eine gemeinsame Schule bis »mindestens zur 10. Klasse«, ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Sanierung und Ausstattung von Schulen sowie mehr Personal für Bildungseinrichtungen.

  • kugel7c@feddit.org
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    5 hours ago

    Jo speziell für die späteren Klassen halte ich das für ne sehr sinnige Forderung. Ich habe die zusehends eh nicht gemacht und bei mir haben sich die meisten fächer gleichzeitig verbessert. Die “guten” Lehrer haben allerdings Hausaufgaben speziell in der Oberstufe auch nicht wirklich mehr eingefordert. Prüfungsvorbereitung und Ausgleich für ausgefallene Stunden mal außen vor genommen.

    Das einzige Thema wo Hausarbeit wohl kaum vermeidbar ist sind wohl Vokabeln lernen, da ist die fast tägliche kurze Repetition nahezu unumgänglich.

    • kuerbiskernoel@feddit.org
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      5 hours ago

      Und Mathematik braucht Übung um schnell und genau zu werden.

      Und in Latein lernt man auch nicht von allein, Texte zu übersetzen.

      Und in Deutsch und Fremdsprachen kann man auch nicht wirklich Texte in der Schule schreiben (einerseits weil man die Stunden für Stoff braucht, andererseits weil es besser ist einen mehrstündigen Text in einem durch zu schreiben, nicht jeweils eine Stunde an 2-3 Tagen).

      In Hauptfächern kommt man um Hausübung nicht herum ohne das Niveau zu senken.

      • Ibuthyr@lemmy.wtf
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        2 hours ago

        Als ich in NL wohnte, war ich auf einer Ganztagsschule. Jeden Tag bis 16:30, außer Mittwochs. Da war schon um 12:15 Schluss. Wir haben halt in der Schule gearbeitet und gelernt. Nach der Schule konnten wir machen was wir wollten. Das war für mich als ADHS Kind mega gut. Kaum kam ich nach Deutschland und NICHTS hat funktioniert. Das Schulsystem hierzulande ist absoluter elitärer Müll.

        • Mîm@lemmy.zip
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          18 minutes ago

          Das wurde mir damals so auch an einer Ganutagesschule in Deutschland versprochen (nur das wir Dienstags den kurzen Tag bis 13:20hatten).
          Gehalten wurde von dem Versprechen aber nichts, gab ganz normal Hausaufgaben zusätzlich zum Unterricht bis 15:30.

      • itslilith@lemmy.blahaj.zone
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        4 hours ago

        Man kommt um Übung nicht drumrum. Aber da sollten die Schulen (am besten betreute) Tutorien zur Verfügung stehen, wo dann alle die gleiche Chance haben, zu lernen, und die Hilfe zu bekommen, die sie brauchen. Zu erwarten, dass alle die gleichen Hausaufgaben machen, wenn die Einen eigene Zimmer und unterstützende Akademikereltern haben, während die Anderen am Küchentisch mit mehreren lauten Geschwistern sitzen, während die alleinerziehende Mutter arbeiten ist, ist ungerecht und fördert die Ungleichheit

        • kuerbiskernoel@feddit.org
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          4 hours ago

          Was wenn jemand sowieso die HÜ immer lieber alleine macht, keine Hilfe dabei braucht, und sich die Zeit dafür gern frei einteilt und nicht ständig mit den Klassenkollegen zusammengepfercht sein will?

          Wenn dann sollte das wenigstens ein Wahlmodell sein. Welchen Vorteil hätte es, solche Leute zu zwingen, noch mehr Zeit mit der Klasse verbringen zu müssen?

          • itslilith@lemmy.blahaj.zone
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            3 hours ago

            Kann man bestimmt drüber reden. Das sollte aber die Ausnahme sein, nicht die Erwartung, dass man Zuhause noch produktiv sein muss.

            Abgesehen davon, dass Eltern, die ihren Kindern aktiv bei dem Hausaufgaben helfen bzw. die praktisch für sie machen, ja auch bekannt sind. Das mehr in den schulischen Kontext zu verlagern ergibt sehr viel Sinn

  • lichtmetzger@discuss.tchncs.de
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    21 hours ago

    Ich hab irgendwann aufgehört, Hausaufgaben zu machen, weil ich es nicht eingesehen habe, acht Stunden in der Schule zu sitzen, anderthalb Stunden erstmal dort hin- und wieder zurückzufahren (war am Arsch der Welt, also musste ich mit dem Fahrrad fahren - Hausaufgaben darauf machen geht auch eher schlecht) und dann noch mehrere Stunden Aufgaben zu lösen. Selbst in der freien Wirtschaft hast du (oft) keine 10-12h-Tage und ich fand es immer ungerecht, die Freizeit meiner Jugend mit mehr Bullshit zu verplempern als ein Berufstätiger.

    Was gab das für einen Stress. Elterngespräche ohne Ende, teilweise wurde ich von Lehrern vor meinen Mitschülern regelrecht runtergemacht (wir hatten ein paar Sadisten, die das richtig geil fanden) und selbst viele meiner Mitschüler fanden, ich wäre ein faules Schwein. Man muss dazusagen, bei Gruppenarbeiten habe ich nie jemanden hängenlassen, aber einzelne Hausaufgaben waren mir irgendwann scheißegal.

    Ich habe in der freien Zeit gelernt, wie man Webseiten baut, Server aufsetzt und einfach weil ich Bock hatte, an Computern rumgebastelt. Manchmal bin ich auch einfach zum Strand gefahren und hab da gechillt, während die anderen Deppen sich zu Hause den Arsch aufgerissen haben. Für nix!

    Jetzt bin ich Sysadmin, Mediengestalter und Coder und arbeite 30h die Woche. Die Society (besonders Lehrer) hat mir immer gesagt, aus mir wird sowieso nie irgendwas. Fick die Society.

    P.S.: Ich glaube, so richtig die Motivation an diesem System habe ich verloren, als ich Informatik nicht mehr belegen durfte. Das war ab der 10. Klasse (oder so?) ein Wahlpflichtfach - das einzige Fach, an dem ich Spaß hatte und durchgehend Einsen geschrieben habe. Ich war der beste Informatikschüler an der gesamten Schule. Allerdings gab es nicht genug Plätze und zu Gunsten eines rich kids wurde ich unter dem Vorwand “Du bist ja in Mathe zu schlecht, du darfst den Kurs nicht machen” dort nicht weiter aufgenommen. Stattdessen wurde ich gezwungen, KUNST zu belegen. Das war so ungerecht, dass ich mir vorgenommen hatte, einfach auf alles zu scheißen.

    Lustigerweise meinte die Kunstlehrerin auch immer, ich hätte gar kein Talent und wäre in ihrem Kurs völlig falsch. Ich würde niemals in dieser Branche arbeiten. Ich wurde schon von Kunden gebucht, um bei ihnen vor Ort gemeinsam Materialien zu designen, also hat die Frau (wie so viele andere) auch nur Scheiße gelabert.

    Worum ging’s nochmal? Achja, Hausaufgaben. Ja, die können weg. War eine kluge Entscheidung, diese Partei zu wählen.

    • ctenidium@lemmy.world
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      20 hours ago

      Respekt, ich finde diese Einstellung die du damals hattest sehr reflektiert! Aber Nonkonformisten haben es in der Schule immer schwer. Dass du heute da bist, wo du heute bist ist trotz und nicht wegen der Schule.

    • Don_alForno@feddit.org
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      20 hours ago

      So ein dickes Fell hätte ich nicht gehabt. Respekt, und gut, dass es für dich am Ende gut gelaufen ist.

    • kossa@feddit.org
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      19 hours ago

      Hab ab der 7. auch keine Hausaufgaben mehr gemacht. Jetzt bin ich Hausmann und Papa, besser hätte ich es auch nicht getroffen, wenn ich mehr Hausaufgaben gemacht hätte, deucht mir. Hatte auch n schöneres Leben nach der Schule als mit Hausaufgaben.

      Kurze Rede, gar kein Sinn: kann ich so unterschreiben 😅

      Edit: genaugenommen habe ich die Zeit für richtig, richtig viel ehrenamtliches Engagement genutzt, 4000% sinnvoller als jede scheiß Hausaufgabe.

  • arakhis_@feddit.org
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    15 hours ago

    Die Linke will 95+% Dinge die nicht so kleinkariert sind. Warum wohl ausgerechnet dieser Richtungswunsch einer spezifischen Änderung des größeren Themas “Bildungssystem marode” so dargestellt wird, dass der allgemeine ignoranztriefende Dulli drüber lacht und’s abstempelt…?

    Hmm…

  • PhilLab@feddit.org
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    1 day ago

    Im Referendariat fürs Lehramt lernt man sogar, dass es bis jetzt nicht gelungen ist, einen wissenschaftlich belastbaren Vorteil von Hausaufgaben nachzuweisen. Daher soll man ab der 8. Klasse “möglichst vermeiden” welche aufzugeben. Warum diese Handlungsempfehlung nicht auch schon für untere Klassen gilt, wurde allerdings nicht klar. Vielleicht weil dort die (angenommene) Zeitverschwendung angesichts weniger Nachmittagsunterrichts nicht so ins Gewicht fällt wie in höheren Klassen?

    • cows_are_underrated@feddit.org
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      1 day ago

      Vermutlich um Kindern das lernen beizubringen. In der Oberstufe muss man sich einfach zu Hause auch Hinsetzen, sofern man durch die Klausuren kommen will. Wenn man das nicht früh lernt, wird es nachher ziemlich beschissene (spreche aus Erfahrung).

      • XM34@feddit.org
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        17 hours ago

        Kann ich so nicht bestätigen. Bis zum Abitur war alles super einfach. Aber das ist vermutlich auch Typsache.

    • Spezi@feddit.org
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      1 day ago

      Vielleicht ist auch die Erwartungshaltung, dass bis zu siebten Klasse die meisten Eltern noch “mithalten” können. Das berücksichtigt aber dann natürlich nicht, dass manche Eltern mehr arbeiten müssen als andere und weniger Zeit haben ihr Kind bei den Hausaufgaben zu unterstützen.

      • Tartufo@lemmy.world
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        1 day ago

        Finde ich tatsächlich interessant. Ich war nicht in Deutschland in einer Grundschule sondern im EU-Ausland und dort hieß es “die Eltern sollen unter keinen Umständen bei den Hausaufgaben helfen. Nur gucken, dass das Kind sich auch damit beschäftigt.” Grund war, dass die Lehrer so schauen wollten, wieviel denn jeder aus dem Unterricht mitgenommen hatte.

        Kaum war ich dann auf der weiterführenden Schule (das dann in Deutschland, fiel mit dem Umzug zusammen) hab ich mir als aller erstes die Hausaufgaben abgewöhnt. Die waren in DE dann aber auch fast alle auf dem Niveau “schreib die 50 größten/längsten/etc von der Landkarte auf Seite x in eine Tabelle”.

    • Lain@feddit.org
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      1 day ago

      Ich kann das ganze ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Eigentlich ersetzen Hausaufgaben doch “Üben” bzw. leiten es an. Man wiederholt den Stoff nach ein paar Stunden nochmal, das ist doch genau im Sinne eines SRS.

      Alle, die nie ihre Hausaufgaben gemacht haben, haben vor Klassenarbeiten immer wahnsinnig viel geübt. Ich nie, dafür aber immer (eigenständig) meine Hausaufgaben gemacht. Im Ergebnis hatte ich dann einen 1.2er Schnitt im Abi.

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hausaufgaben nichts bringen. Das ergibt nur Sinn, wenn es irgendwie anders kompensiert wird.

      • Obelix@feddit.org
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        1 day ago

        Der Punkt ist nicht, dass man keine Übungsaufgaben macht. Der Punkt ist, dass man die Übungsaufgaben in den schulischen Kontext verlagert, wo alle Schüler die gleichen Bedingungen vorfinden. Als ganz dummes Beispiel: Hausaufgaben sind in einem häuslichen Umfeld, in dem du mit 8 Personen auf viel zu geringem Wohnraum wohnst deutlich schwieriger als im gutbürgerlichen Haushalt, wo Sohnemann sich dann an den Schreibtisch im Jugendzimmer setzen kann und dort seine Ruhe hat und bei Problemen seine Eltern fragen kann, die dann zu Hause sind, nicht betrunken sind und intellektuell in der Lage sind, Matheaufgaben der 11. Klasse zu lösen. So ein Umfeld haben viele Kinder leider nicht und daher haben sie logischerweise mehr Probleme bei Hausaufgaben.

        • DrunkenPirate@feddit.org
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          16 hours ago

          Ah okay, deswegen ist es jetzt besser mit allen anderen Schülern in einem Raum zusammen die Hausaufgaben zu machen. Und Kevin und Justin in der Pubertät machen die ganze Zeit Scheisse und lärmen rum? Sollen gefälligst alle nichts hinbekommen, weil jetzt mehr als 8 Leute in einem Raum sind? Ich verstehe den Vorteil nicht so ganz.

          • Ich habe das Gefühl, du hast die Antwort von Obelix entweder gar nicht verstanden, oder willentlich ignoriert. Ich weiß ja nicht, wie viel schlimmer Schulen seit meiner Schulzeit geworden sind, aber schon zu meiner Zeit gab es da mehr als nur den Kontext wie du ihn beschreibst fürs begleitete Üben und Lernen. Im Übrigen könnte man dein Argument auch ebenso als Begründung benutzen, dass dann besser für alle primär oder gar ausschließlich Heimunterricht gelten sollte, damit die Kinder von “Eliteeltern” ihr Potential nicht mehr kläglich verlören.

            Es geht ja auch wie deutlich gesagt nicht darum, gar keine Übungsaufgaben zu machen, aber diese verpflichtend und bewertet als Arbeit zu Hause einzugliedern, ist eben Ungleichheiten verstärkend - und hat wie zu Beginn des Diskussionsfadens hier erwähnt - bis heute keinen empirisch klar belegbaren Vorteil. Zudem lernt man auch nur dann wirklich Lernen und Üben, wenn derartige Arbeiten auch (zumindest teilweise) begleitet sind, und das soll eben ein allgemeines Schulsystem leisten, und nicht die Eltern zu Hause (die dazu in vielen Fällen eben keine Ressourcen haben).

            • DrunkenPirate@feddit.org
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              2 hours ago

              Ich gehe auf Obelix Argumente ein, finde diese aber nicht überzeugend. Ist das jetzt Ignorieren, wenn man andere Meinung hat?

              Lass es mich mal so ausdrücken, wie schon öfters hier. Ich habe das in meiner Schule exakt so mitgemacht. Mit dem Ergebnis, dass erst die besseren Schüler nicht mehr unterstützt wurden und anschließend die schlechteren auch nicht mehr. Das Ergebnis wurde keinem gerecht.

              Fördern finde ich gut, aber bitte nicht nur schlechte Schüler und Mädchen. Auch bessere Schüler und Jungs haben ein Recht ihr Potenzial auszuschöpfen.

              • Lass es mich mal so ausdrücken, wie schon öfters hier. Ich habe das in meiner Schule exakt so mitgemacht. Mit dem Ergebnis, dass erst die besseren Schüler nicht mehr unterstützt wurden und anschließend die schlechteren auch nicht mehr. Das Ergebnis wurde keinem gerecht.

                Tut mir leid, dass du durch so einen Mist durchgegangen bist, das war tatsächlich nicht meine Erfahrung (mit dem System Individualhausaufgaben zu Hause), und ist nicht das, was ich bei meinen Neffen und meiner Nichte mitbekomme (die jetzt auch eher in Ganztagsschulkontexten mit betreuten Übungsaufgaben sind). Da gab/gibt es eigene Probleme, aber zum Glück nicht solche extremen. Daher hatte ich tatsächlich angenommen, du beschreibst einen Strohmann einer Extremsituation, um gegen diesen zu argumentieren.

                Es klingt für mich nach einem sehr viel grundlegenderen Problem, als das Thema (Klassische Hausaufgaben, oder nicht?) hier. Ich glaube, daher rührte auch das Verständnisproblem bei mir, weshalb ich zuerst dachte, deine Antwort wäre ein Strohmann: Ich habe immer noch Zweifel, wie dies durch das klassische Hausaufgabenkonzept besser bedient gewesen wäre, und wie es gegen ein Abschaffen von Hausaufgaben spricht - wenn anscheinend ja ganz grundlegend fehlende Mittel (Betreuungspersonal, Ruheräume, Lernräume) das Problem waren. Im Gegenteil, klingt es für mich eher, als wäre das Konzept der klassischen Hausaufgaben hier, falls es zur Anwendung gekommen wäre, potentiell Probleme kaschierend, und der politischen Willensfindung entgegenwirkend gewesen, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. (Als fast klassischer Fall von kollektiver (Bildungssystem) Verantwortung auf individuelle (Elternhaus) abwälzend.)

                Anders gesagt: Als jemand, der Hochbegabte kennengelernt hat, die an ihrem kaputten Elternhaus und den Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben zu Hause gescheitert sind, grundlegend sehr ähnlich wie du es an Hausaufgabenbetreuung in der Schule beschreibst, war ich ähnlich stark emotional auf der Gegenseite investiert und hatte daher unterschätzt, wie es sich für dich angefühlt haben muss. Das war ein Fehler und tut mir leid. Trotzdem bleibt bei mir, dass ich den Zusammenhang nicht ganz nachvollziehen kann.

      • Scaramousse@lemmy.world
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        1 day ago

        Alle, die nie ihre Hausaufgaben gemacht haben, haben vor Klassenarbeiten immer wahnsinnig viel geübt.

        Meine Erfahrung ist das Gegenteil. Die, die sowieso immer Hausaufgaben gemacht haben, haben auch für Klausuren gelernt. Da ist auch gar nichts verwerflich dran, SChüler sind nunmal unterschiedliche Menschen. Es redet auch niemand davon, das Üben Zuhause zu verbieten. Wenn dir das geholfen hat, schön. Für mich hatten (Pflicht-)Hausaufgaben inklusive Eskalation bei Nichtbearbeitung immer einen Strafarbeitscharakter. Der Stress, die Elternanrufe, das schnelle Abschreiben im Bus oder vor der Stunde auf dem Klo, eine grundsätzliche Antihaltung zur Lehrkraft und der Schule im Allgemeinen ist für ich das Ergebnis von Hausaufgaben gewesen. Der Mehrwert der allermeisten Hausaufgaben ging für mich auch nicht über “schreibe 10 mal die Schulordnung ab” hinaus. Hätte ich nicht auf eine Schule gewechselt, auf der Hausaufgaben höchstens optional waren hätte ich nicht ebenfalls ein herausragendes Abi gemacht sondern gar keins.

      • itslilith@lemmy.blahaj.zone
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        21 hours ago

        Das passt überhaupt nicht zu meinen Erfahrungen. Die, die Hausaufgaben machen, lernen auch mehr für Klausuren.

        Aber es geht ja nicht ums ersatzlose streichen. Wenn mehr Lehrkapazitäten da wären, könnte man z.B. betreue Tutorien machen.

  • ComfortableRaspberry@feddit.org
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    1 day ago

    Mein Bruder hatte große Probleme mit der Schule und Hausaufgaben. Schon ab der ersten Klasse. Meine Mutter mit zwei Jobs (nachts und morgens) hatte dann versucht dich mittags noch mit ihm hinzusetzen und Hausaufgaben zu machen. Ich glaube das war für beide schlimm. Sie hatte in dem Zustand nicht die nötige Geduld, um auf ihn einzugehen und für ihn wurde es jeden Tag schlimmer, weil ers nicht in sehen Kopf gekriegt hat.

    Mit zu bekommen, wie die Mutter aus wachsender Frustration über dein Unvermögen auf Drogen zurückgreift (sie hatte angefangen während dieser “Sitzungen” zu rauchen und zu trinken, einziger Bewältigungsmechanismus, den sie von ihren Eltern gelernt hatte), kann nicht förderlich sein. Und das ist sicherlich noch die harmlosere Variante.

    Eine Alternative Lösung fände ich zumindest Mal Wert ausprobiert zu werden. Für mich ist dabei fraglich, ob unsere zukünftige Regierung hier etwas tun will bzw wird. Bildung ist ja schon lange ein zwei Klassen Thema und an manchen Stellen wirkt das auf mich sehr gewollt.

    • cjk@discuss.tchncs.de
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      17 hours ago

      Feel ya.

      Für uns gab es Prügelstrafe, wenn wir dir Aufgaben nicht gemacht haben.

      Mein erster Bruder wurde mit einer Lernbehinderung geboren, und ich sehe manchmal immer noch vor mir, wie meine Mutter die Aufgaben buchstäblich in ihn hinein prügelt, weil er die Dinge einfach nicht verstanden hat und/oder immer die gleichen Fehler gemacht hat.

      Später hat sie dann angefangen zu trinken, bis sie mal besoffen die Kellertreppe herunter gefallen ist und sich dabei den Arm sehr kompliziert gebrochen hat.

      Meine beiden ältesten Schwestern haben sie dann zu einer Suchtberatung genötigt.

      Ich fühle mich manchmal immer noch schlecht, dass ich als Ältester nichts unternommen habe, nichtmal als sie gefallen ist.

      Sorry für meinen Ausbruch. Irgendwie hat dein Beitrag einen Nerv bei mir getroffen (kein Vorwurf!)

      • ComfortableRaspberry@feddit.org
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        16 hours ago

        Kein Grund dich zu entschuldigen. Zeigt ja sehr gut, dass solche Erlebnisse kein Einzelfall sind. Und die Situation an sich wäre vermeidbar.

        Ich fühle mich immer noch schlecht, dass ich als Ältester nichts unternommen habe

        Das ist schwer. Habe in der Therapie durchgehend daran zu knabbern gehabt, dass es eigentlich unmöglich ist, in einem gewissen Umfeld aufzuwachsen ohne sich “mitschuldig” zu machen. Da müssen wir wohl einfach durch .-.

  • rustydrd@sh.itjust.works
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    21 hours ago

    Bei Hausaufgaben ist der Nutzen wissenschaftlich fraglich, bzw. stark von der Qualität der Aufgaben abhängig und wie sie im häuslichen/schulischen Lernumfeld integriert werden. Trotzdem fände ich es wichtig, dass man sie nicht ersatzlos streicht (mehr Lerngelegenheiten sind immer noch gut), sondern stattdessen über Lösungen nachdenkt, von denen Schüler:innen mit unterschiedlichen Hintergründen gleichermaßen profitieren (z.B. Hausaufgabenbetreuung, Ganztagsschule).

  • kossa@feddit.org
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    edit-2
    20 hours ago

    Neben der Bildungsungerechtigkeit durch Support fand ich auch das Zeitthema immer doof. Wer schneller ist, hat mehr vom Nachmittag und lernt da auch noch andere Dinge. Hatte ein paar Freunde, die haben deutlich länger gebraucht als ich. War halt immer voll doof, wenn ich nachmittags bei denen war, saß ich dann ggf. dumm rum, oder habe ihnen die Lösungen einfach gesagt, oder die konnten erst später mit mir überhaupt raus etc. Für kindliches Erleben auch einfach doof, weg mit dem Scheiß!

  • seeigel@feddit.org
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    23 hours ago

    Wenn Ruhe für Hausaufgaben das Problem ist, sollten Schulen nach Schulschluss ab sofort die Klassenzimmer nutzen, um den Schülern diese Räume anzubieten. Dann aber nicht getrennt nach Alter und Klassen sondern nach Ruhebedürfnis und Ruhevermögen.

  • aaaaaaaaargh@feddit.org
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    1 day ago

    Juhu, die Linke hat endlich mal wieder eine Idee, die ich verstehe! Nein, kein Sarkasmus zu lesen - lange Zeit hab ich mich nicht mehr mit der Partei verbunden gefühlt, weil ich wirklich gewisse Haltungen und Forderungen nicht nachvollziehen konnte.

    Dass man aber das über 100 Jahre in Stein gemeißelte Konzept “Schule” ankreidet, ist die richtige Kerbe. Da wäre so viel zu machen, ich sehe das jeden Tag selbst, wie sinnlos und fernab jeglicher Lebensrealität dort agiert wird. Hausaufgaben wären nur die Spitze des Eisbergs, aber immerhin ein guter Anfang.

  • Feddinat0r@feddit.org
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    1 day ago

    Also generell würde ich zustimmen. Man muss halt irgendwie ausarbeiten wie diese vertiefungsstunden aussehen. Einfach die hausaufgabenblätter nehmen und diese da machen, beaufsichtigt von keiner fachkraft, fände ich jetzt doof.

    Auch, dass die kinder plötzlich 2h länger bleiben müssen, statt die hausaufgaben zuhause in 30min zu machen ist schwierig zu vermitteln.

    Generell würde ich aber zustimmen und gerade in der ersten klasse ist der Unterschied der Schüler immens groß.

    Mädels die im Kindergarten und zuhause gern gemalt haben, wissen wie man mit einem stift umgeht. Der Junge, der malen meidet und nie einen Stift gehalten hat.

    Da prallen welten aufeinander. Generell befürworte ich es aber.

    Ihr Feddinat0r

    • Latschenkiefer@feddit.org
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      1 day ago

      Mädels die im Kindergarten und zuhause gern gemalt haben, wissen wie man mit einem stift umgeht. Der Junge, der malen meidet und nie einen Stift gehalten hat.

      Deshalb müssen die “Mädels” aber nicht darunter leiden, dass die Jungen dass noch nicht können. Warum außerdem dass geschlechterspezifische Beispiel? Malen Jungen etwa nicht?

      • Samsy@lemmy.mlOP
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        1 day ago

        Kitas sind der Hort der ersten Klassenbestimmung. Da gibt es inzwischen Themenräume und Kinder sollen “frei” wählen ob sie lieber im Bauraum bauen oder im Kunstraum malen. Wie das endet kann man sich vorstellen. Besonders da trotz freier Wahl ein Bauraumkind zunächst dort angebunden ist und deshalb nur selten wechselt besonders ohne Anleitung.

        PS. Und in Coronazeiten durfte dann gar nicht gewechselt werden. Also warum malt das Bauraumkind nur so wenig? Tja gute Frage. /s

      • Lain@feddit.org
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        1 day ago

        Bei uns im Kindergarten ist es leider tatsächlich genau so. Da nimmt kein(!) Junge nen Stift in die Hand.

  • Latschenkiefer@feddit.org
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    1 day ago

    eine gemeinsame Schule bis »mindestens zur 10. Klasse«

    Bitte nicht. Da gibt es einfach zu große Leistungsunterschiede, genauso wie Interessensunterschiede zwischen den Schülern. Dadurch bremst man einfach nur die aus, die motiviert sind, oder man vernachlässigt die, die was langsamer sind.

    • Scaramousse@lemmy.world
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      1 day ago

      Komisch, dass in den Ländern, deren Schulsystem hoch gelobt wird, Klassen eben nicht separat sind. Dass hier bereits für 10-jährig von Grundschullehrern entschieden wird, ob sie zum Studium taugen oder nicht, ist ein Unding. Nicht nur werden Migranten systematisch benachteiligt, auch Jungen kommen mit einer später einsetzenden Entwicklung schlechter weg. Es gibt bestimmt hundert Maßnahmen, die das Schulsystem tatsächlich verbessern könnten, ohne dass man auf diesem Elitarismus beharrt, dessen Schädlichkeit längst wissenschaftlich erwiesen wurde.

    • Dunstabzugshaubitze@feddit.org
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      1 day ago

      wir trennen schon arg Früh, die Niederlande machen das z.b. erst nach der 8. Klasse und Schweden nach der 9. also zu Zeitpunkten wo die Schüler schon mehr Ideen haben, was sie machen wollen und vor allem Zeit hatten Fähigkeiten zu entwickeln in berreichen wo sie zu Beginn der Schullaufbahn vllt etwas hinterher waren.

      Außerdem könnten auch “starke” Schüler davon profitieren, wenn man ihnen beibringt anderen dinge beizubringen.

      Außerdem sind wir eh auf dem Weg zur Einheitsschule, wenn man sich anschaut wie viele Kinder nach der Grundschule zum Gymnasium gehen.

      • Dekkia@this.doesnotcut.it
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        1 day ago

        Außerdem könnten auch “starke” Schüler davon profitieren, wenn man ihnen beibringt anderen dinge beizubringen.

        Das sehe ich jetzt aber nicht als deren Aufgabe. Kurz nochmal dem Banknachbarn was erkläre ist eine sache, aber “von oben” darauf bauen ist eine andere.

        • Dunstabzugshaubitze@feddit.org
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          1 day ago

          Ältere oder in einem bereich stärkere Schüler sind keine Minilehrer das ist klar, aber Lösungen zu presentieren oder in Kleingruppen andere bei Aufgaben zu unterstützen ist für alle beteiligten hilfreich, wenn man den Schülern klar machen kann, dass das nicht bedeutet, dass nur einer alles macht.

      • Latschenkiefer@feddit.org
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        1 day ago

        Gerade in Fächern wie Mathe will man ja die Themen Stück für Stück abarbeiten. Wenn due einen noch nichtmal Bruchrechnen können und die anderen schon mit einfachen Funktionen dran sind, mancht es keinen Sinn, die in eine Klasse zu stecken.

        Ich finde man sollte eher wieder in Richtung G8 gehen und vielleicht schon früher Leistungskurse anbieten.

        • Dunstabzugshaubitze@feddit.org
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          1 day ago

          aber was hat das damit zu tun, wann man anfängt Kinder in verschiedene Schulsysteme zu stecken?

          Wenn Tim in Mathe schlecht ist besucht er halt weiter den Basiskurs statt eines fortgeschrittenen Kurses (wie es z.b in Gesamtschulen gemacht wird) aber da er in Englisch super ist dafür den fortgeschrittenen Kurs.

          Im jetzigen System ist die Chance groß, dass Tim nie einen Englischkurs besucht, der seinen Fähigkeiten entspricht, weil es nach der vierten hieß, das er “nur” für die Hauptschule taugt oder er landet trotzdem in einem System, dass nicht darauf ausgelegt ist, dass er in Mathe nicht so gut ist wie andere in seinem Alter und quält sich durchs Gymnasium.

        • Scaramousse@lemmy.world
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          1 day ago

          So ist es doch in jeder Klasse, immer, komplett unabhängig von der Trennung. Was glaubst du, wie viele Abiturienten nicht bruchrechnen können? Wenn du Klassen willst, in denen ein homogenes Leistungsniveau herrscht, hast du was, 4 Schüler pro Kurs?

      • Latschenkiefer@feddit.org
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        1 day ago

        Es müssen auf jedenfall seperate Klassen sein, alles andere ist einfach Scheiße für die ein oder andere Seite.

        • kossa@feddit.org
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          1 day ago

          Ich finde diese Kurssysteme, wo es dann für jedes Fach unterschiedliche Niveaus gibt , gar nicht so schlecht. Kann man auf- und absteigen, wie in Sportligen. Dann gibt auch nicht die Schule direkt vor, in welches Berufsbild man kommt. Hilft auch mit dem gegenseitigen Erkennen, worin Leute so begabt sind oder auch nicht, und man hat nicht das Problem, dass man Starke ausbremst und Schwache vernachlässigt.

    • Samsy@lemmy.mlOP
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      1 day ago

      Seltsam, im Osten hat das super geklappt. Klar bedarf es dennoch Anpassungen, siehe Leistungskurse von Gesamtschulen. Aber wie schon erwähnt sind Hausaufgaben und “Extras” der Garant für die Klassengesellschaft, welche danach kommt.

      Ich bin persönlich auch an fehlender Unterstützung der Eltern auf dem ersten Bildungsweg gescheitert. Ich besuchte Real und sogar später Hauptschule mit Abschluss. Seltsam, dass ich dann Jahre später auf dem zweiten Bildungsweg ein 1,5 Abitur hingelegt habe. War ich, meine nicht akademische Herkunft oder das Bildungswesen schuld, dass der erste und der zweite Weg so unterschiedlich liefen?

      Warum die persönliche Anekdote? Nun ich bin definitiv einer der von der 5. - 9. Klasse andere Leistungsträger ausgebremst hat, das bedeutet aber nicht, dass man mich als “bildungsfernen” aussortieren darf. Später hat es ja geklappt. Man muss die Gründe finden und für alle die gleichen Voraussetzungen schaffen.

  • DrunkenPirate@feddit.org
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    1 day ago

    Super Idee: Race to bottom!

    Als ein Schüler der 80iger Jahre in den ersten Schuljahren der Gesamtschule habe ich das mitbekommen, was jetzt alles (mal wieder) propagiert wird.

    Kurzfassung: Konzept gut, wird aber schnell kaputt gespart - genau ein Politikwechsel später.

    Meine Gesamtschule hatte: Hausaufgabenbetreuung, Förderkurse für schlechte und gute(!) Schüler, gemeinsame Klassen bis zur 10 und war eine Ganztagsschule bis ca 15 Uhr.

    Das hat genau 2 Jahre lang gut funktioniert, dann kam eine neue Landesregierung und hat es kaputt gespart. Erst wurden die Unterstützung für die guten Schüler gestrichen. Später die Hausaufgabenbetreuung reduziert. Die 10. Klasse war der Horror, weil die Jungs (vornehmlich Jungs) mit einem Ausbildungsvertrag steil gegangen sind, weil Noten waren dann egal. Das fällt mit der Pubertät zusammen und ich erinnere mich noch an einen fliegenden Schultisch eines Mukkikerls. Für bessere Schüler war die 10. Klasse ungemein strapazierend und gleichzeitig immens wichtig für die gymnasiale Oberstufe - Abitursschiene. Ich habs gerade so geschafft. Unterm Strich bin ich unter meinen Fähigkeiten geblieben und auf einem Gymnasium vermutlich besser gewesen. Hat mir allerdings später nicht geschadet, da ich mich durchgekämpft habe.

    Gut fand ich dabei den Technikunterricht und die soziale Durchmischung. Es gab einige, vorallem fleißige Mädchen, die über die Reslschule zu uns kamen und Abi geschafft haben. Allerdings galt auch hier „Race to bottom“, denn es gab Schulstunden in denen IMMER der Finger hoch ging und diese Leut Verständnisfragen hatten. Das hat den Unterricht extrem aufgehalten. Habe da teilweise ein Nickerchen gemacht, weil erste Stunde. Nach zweimal Testfragen vom Lehrer, war es ihm auch klar und ich wurde nie mehr gestört.

    Unterm Strich halte ich das Konzept für schwierig, da es den Leistungsdurchschnitt nach unten befördert. Auch gute Schüler haben ein Recht auf Förderung, um ihr Potenzial auszuschöpfen. Das wird immer schnell vergessen.

    • Saleh@feddit.org
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      1 day ago

      Was hat das mit Hausaufgaben zu tun?

      “Schlechte” Schülys werden nicht dadurch besser, dass sie unter schlechten Bedingungen Hausaufgaben halb oder garnicht erledigen. Umgekehrt kann ich genauso sagen, dass es mich frustriert hat, wenn wir die Hausaufgaben durchgegangen sind, weil ich die meistens eh nicht gemacht hatte, oder schnell in der Pause vor der Stunde irgendwas hingekritzelt. Die gute Förderung in Sachen Bildung durch meine Eltern hat sich auch nicht auf Hausaufgaben bezogen, sondern auf Besuche von Museen, Naturlehrpfade, aktive Einbindung bei handwerklichen Arbeiten im Haus… Das ich gelernt habe, die trigonometrischen Funktionen für die Berechnung von Holzbalken beim Dachausbau einzusetzen war viel nützlicher als die Hausaufgaben dazu.

      An dem Problem verschiedener Leistungsstände kommst du so oder so nicht vorbei, ohne entsprechende Ressourcen für bessere individuelle Betreuung in der Schule zu haben.

      Eine kaputtgesparte Schule mit Hausaufgaben ist nicht besser als eine kaputtgesparte Schule ohne Hausaufgaben.

      • DrunkenPirate@feddit.org
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        1 day ago

        Was das mit Hausaufgaben tu tun hat, habe ich versucht oben zu erklären

        Eine kaputtgesparte Schule mit Hausaufgaben ist nicht besser als eine kaputtgesparte Schule ohne Hausaufgaben.

        Meine Befürchtung bei unserer Politik ist, dass es darauf hinausläuft, dass auch die guten Schüler keine Hausaufgaben mehr machen. Also werden alle gleichschlecht. Race to the bottom.

        • Saleh@feddit.org
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          1 day ago

          Ich war ein guter Schüler und hab meine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Androhung schlechter Noten als Konsequenz auf nicht gemachte Hausaufgaben ist auch nur soweit wirksam, wie die Eltern hinterher sind bei der Bildung ihrer Kinder. Und auch da sind Hausaufgaben dann aus meiner Erfahrung eher ein Ausdruck von fleißigen Schülys, als von talentierten Schülys, wobei die Unterstützung durch die Eltern wiederum sehr viel kaschieren kann.

          Ursache und Wirkung liegen also außerhalb der Hausaufgaben. Die Hausaufgaben haben jedoch den Effekt, dass sie gute Schülys, die einem schlechten Umfeld sind, demotivieren, weil sie aufgrund schlechter Noten durch die Hausaufgaben eher ihre Bildung aufgeben. Umgekehrt werden Schülys mit einem gutem sozialen Umfeld bevorteilt und erhalten dann Noten und schließlich Karrieren, für die sie eigentlich schlechter geeignet sind als andere Schülys, die nicht diese Unterstützung hatten.

          • DrunkenPirate@feddit.org
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            1 day ago

            Das ist mir zu pauschal. Lernen ist nicht nur Talent und Intelligenz. Manchmal ist es auch stupides Widerholen und Üben. Sei es körperlich wie beim Sport oder geistig wie beim Sprachen oder 1x1 lernen

              • DrunkenPirate@feddit.org
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                17 hours ago

                Rad fahren oder Schwimmen kannst du nicht? 1x1 also Zahlenraum bis 10 und bis 100 auch nicht?

                Klar macht das keinen Spaß. Ich glaube aber nicht, dass du dafür ein Talent brauchst.

                • CyberEgg@discuss.tchncs.de
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                  17 hours ago

                  Üben durch Anwendung ist etwas völlig anderes als üben durch stupide Wiederholung. Stupide Wiederholung muss man können. Ich kanns nicht, da macht ADHS komplett zu.

            • Saleh@feddit.org
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              21 hours ago

              Stupides Wiederholen und Üben ist ohne Eltern/Betreuung die dahintersteht wiederum für Kinder nicht so einfach. Es ist eben keine persönliche Schwäche, dass Kinder das noch nicht eigenständig können, führt dann jedoch zu Benachteiligung von Kindern, deren soziales Umfeld das nicht leistet ggü. Kindern, die dabei Unterstützung erfahren.

              Darin sehe ich auch kein “race to the bottom” ohne Hausaufgaben, weil Eltern, die sich aktiv in die Bildung ihrer Kinder einbringen, noch immer unterstützen, sei es mit anderen Lehrangeboten oder Nachhilfe bei Prüfungsvorbereitungen. Es schafft jedoch einen Schutz gegen unfaire Benachteiligung von Kindern, die diese Unterstützung nicht haben.

              • DrunkenPirate@feddit.org
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                18 hours ago

                Stupides Wiederholen und Üben ist ohne Eltern/Betreuung die dahintersteht wiederum für Kinder nicht so einfach.

                Mal so ne blöde Frage: Hast du Kinder oder ist das eine theoretische Übung für dich? Was glaubst du kann man einem Kind von 6, 10, 14 oder 16 Jahren zumuten?

                • Saleh@feddit.org
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                  4 hours ago

                  Kommt drauf an. Manche Kinder wurden so erzogen, dass sie mit 10 ihre Hausaufgaben selbständig erledigen. Andere können das mit 16 noch nicht. Wirklich selbstständig hinsetzen und lernen habe ich erst mit Mitte 20 hinbekommen

    • SirHery@lemmy.world
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      1 day ago

      Also hast du nur ein problem mit der gemeinsamen schule bis zu 10. Klasse? Kann ich gut verstehen. Vielleicht währe bis zu 7. Klasse besser, weil sich da oft eine Trennung abzeichnet und auch die schwierigeren Themen beginnen.

      • DrunkenPirate@feddit.org
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        1 day ago

        Ich fand die gemeinsame Schule gut. Es ist insgesamt sozial durchlässiger und geht eher nach Leistung, nicht nach Herkunft. Es gibt ja auch Konzepte die Grundschule bis zur 5 oder 6 Klasse zu erweitern.

    • CyberEgg@discuss.tchncs.de
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      1 day ago

      Ich war in den 00ern sowohl am Gymnasium als auch an einer Gesamtschule. Die Gesamtschule war aus vielen Gründen besser. Erstens war der Sportunterricht aufgrund von Wahlpflicht statt Lehrervorlieben motivierter. Zweitens gab es durchaus unterschiedliche Förderungen je nach Fähigkeitsniveau der Schüler*innen, zum einen durch Kurse auf verschiedenen Niveaus für alle Fächer außer die Wahlpflichtfächer, außerdem war es eine Ganztagsschule und statt Hausafgaben gab es in den Stundenplan integrierte Stunden, in denen an Wochenplänen gearbeitet wurde. Da standen die Klassenlehrer*innen (jede Klasse hatte einen Klassenlehrer und eine Klassenlehrerin) zur Hilfestellung bereit und es konnten auch andere wichtige Themen nebenbei besprochen werden.

      War natürlich nicht perfekt und immer noch unterbudgetiert, aber es war um so viele Level besser als das Gymnasium, wo die Klassen größer, der Leistungsdruck heftiger und die Tage genauso lang waren, nur ohne Mittagspause und mit Hausaufgaben.