In der Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht meldet sich die Spitze der bayerischen Grünen-Landtagsfraktion mit einem eigenen Vorschlag zu Wort: Fraktionschefin Katharina Schulze und der innenpolitische Sprecher Florian Siekmann sprechen sich für einen verpflichtenden »Freiheitsdienst« für alle aus:

Alle Frauen und Männer sollen irgendwann zwischen 18 und 67 Jahren sechs Monate Dienst tun – entweder Wehrdienst, Dienst im Bevölkerungsschutz, bei Feuerwehr oder Hilfsorganisationen oder sechs Monate Gesellschaftsdienst. Schon abgeleistete Dienste oder bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten sollen angerechnet werden.

»Was kannst du für dein Land tun?«

»Es ist an der Zeit, die Frage zu stellen: Was kannst du für dein Land tun?«, sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. Die Bedrohungen nähmen zu.

»Damit wir als Gesellschaft robuster werden, unsere Freiheit verteidigen und das Miteinander stärken, braucht es uns alle. Der Freiheitsdienst ist ein Gemeinschaftsprojekt für Deutschland von allen für alle. Durch den Freiheitsdienst verbinden wir Generationen und Milieus, stärken unsere Gesellschaft und verteidigen, was uns wichtig ist.«

  • kossa@feddit.org
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    7 days ago

    Ich finde dieses “was kannst du für dein Land tun” Gelaber eine so bodenlose Frechheit, da finde ich gar keine Worte für.

    Nach den tollen Werbespots der Bundesregierung, haben alle jungen Menschen während Corona schon genug für ihr Land getan 🤮

    Bevor man mit so frechen Phrasen um sich wirft, sollte man vielleicht auch mal fragen, ob das fucking Land vielleicht auch mal was für den Nachwuchs tun könnte?! Kindergrundsicherung bodenlos verkacken, aber dann “die jungen Leute sollen mal was für ihr Land tun”. Die sitzen in Containern, weil die Schulgebäude verfallen. Frühkindliche Bildung fällt aus wegen Erziehermangel. Schwimmbäder schließen, Vereine schließen, Jugendzentren schließen. Außerschulisches Angebot ist ein Privileg reicher Eltern. Klimawandel kickt und niemand tut was. Aber “die sollen mal was für ihr Land tun”. Genau!

  • vfscanf@discuss.tchncs.de
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    7 days ago

    Also ganz ehrlich: Mit einem halben Jahr bei der Feuerwehr könnte ich mich sogar anfreunden, auch wenn es wahrscheinlich sehr anstrengend wäre. Aber dann müsste auch dafür gesorgt sein, dass ich in der Zeit weiter meine Rechnungen bezahlen kann. Es hat ja nicht jeder die Rücklagen, um 6 Monate lang ohne Einkommen auszukommen.

    • varyingExpertise@feddit.org
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      7 days ago

      Hm. In einem halben Jahr bei der Feuerwehr hast du vielleicht mal deinen Grundlehrgang durch. Weiß net, ob das die Feuerwehr so derbe weiterbringt. Das könnte hier in 50km Umkreis auch keiner stemmen, wir machen das alle freiwillig in unserer Freizeit.

      EDIT: Dafür aber auch, das muss man sagen, mit unserem eigenen Geld und manchmal wenn der Bürgimeister richtig gönnt gibt’s auch ne Suppentasse Gulasch auf Nacken von Gemeinde beim acht Stunden Lehrgang am Samstag.

      • vfscanf@discuss.tchncs.de
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        7 days ago

        Ne, bringt wahrscheinlich nichts, da hast du recht. Vor allen weil das dann auf einen Schlag ein ganzer Batzen Leute wären, die man bespaßen muss

        • varyingExpertise@feddit.org
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          7 days ago

          Also, net falsch verstehen, zu viel Nachwuchs gibt es nicht. Aber bis jemand halbwegs einsetzbar ist, über Wasserversorgung aufbauen und Verkehr regeln hinaus, da stecken dann garantiert fünfzig oder mehr Mannstunden von erfahrenen Feuerwehrleuten drin, wenn ich mal so Zeit für Lehrgänge, Übungen usw. auf Teilnehmer runterbreche. Pro Nachwuchsperson. Das lohnt sich schlicht nur für Leute, die hochmotiviert dazu kommen, richtig Bock haben und danach lange Jahre dabei bleiben. Und das kostenlos machen, natürlich, keine Gemeinde kann sich die erbrachten Mannstunden in der FFW auch nur ansatzweise leisten, das “zahlen” die Familien und teilweise entspannte Chefs.

          • trollercoaster@sh.itjust.works
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            7 days ago

            Genau so ist das.

            Leider sind in dieser Gesellschaft sehr Viele inzwischen absolut geldgeil und können sich nicht mehr vorstellen, eine gesellschaftlich wichtige Tätigkeit dauerhaft unentgeltlich auszuüben. Ein falsch aufgestellter Pflichtdienst würde nur haufenweise unmotivierte Deppen mit unerträglichem Anspruchsdenken in die Organisationen spülen, die dann für teuer Geld ausgerüstet und mit viel Zeitaufwand bespaßt werden müssen, nur dass sie wieder auf nimmerwiedersehen verschwunden sind, bevor sie auf einen Ausbildungsstand kommen, wo man sie für irgendwas Sinnvolles brauchen könnte.

            • Don_alForno@feddit.org
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              6 days ago

              Leider sind in dieser Gesellschaft sehr Viele inzwischen absolut geldgeil und können sich nicht mehr vorstellen, eine gesellschaftlich wichtige Tätigkeit dauerhaft unentgeltlich auszuüben.

              Sollte der Satz nicht eher lauten: “Leider kann sich die Gesellschaft nicht mehr vorstellen, Menschen, die unter erheblichem Zeitaufwand dauerhaft eine gesellschaftlich wichtige Tätigkeit ausüben, dafür entsprechend zu entlohnen”?

              • trollercoaster@sh.itjust.works
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                6 days ago

                In einer Gesellschaft, in der auch wirklich alle Aspekte, auch solche gesellschaftlicher und/oder mitmenschlicher Verantwortung, nur noch von Geld getrieben werden, will ich nicht leben. Vielen Dank auch.

                • Don_alForno@feddit.org
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                  6 days ago

                  Aha. Also die Arbeiterklasse soll unentgeltlich ihre Kraft, Zeit und weitere Ressourcen zur Verfügung stellen, während die besitzende Klasse auf gehorteten Geld- und Ressourcenbergen sitzt, und dem Arbeiter, der nach Lohn fragt, vorwirft er sei “geldgeil”.

          • Don_alForno@feddit.org
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            6 days ago

            keine Gemeinde kann sich die erbrachten Mannstunden in der FFW auch nur ansatzweise leisten

            Solche Sätze lassen mich verzweifeln. “Polizei”, “Feuerwehr”, “Militär” sind doch so ungefähr die ersten drei Dinge, an die man denkt, wenn man nach den absoluten Kernaufgaben eines Staates gefragt wird.

            • trollercoaster@sh.itjust.works
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              6 days ago

              In Staaten, in denen die Feuerwehr nur aus bezahlten Vollzeitkräften besteht, ist in der Regel die flächendeckende Versorgung wesentlich schlechter, als in Ländern mit hohem Freiwilligenanteil (in Deutschland z.B. über 90%)

              Eine flächendeckende Versorgung bis ins kleinste Dorf mit Hilfsfristen zwischen 10 und 15 Minuten ab Notruf und sehr kurzfristig verfügbaren Massen an Personal, (wenn in einem kleinen Kuhkaff eine Scheune brennt, hast du regelmäßig einfach so innerhalb von nicht mal 30 Minuten über 100 ausgebildete Leute mit allerhand Ausrüstung dastehen, das erste Auto kommt spätestens nach 10 bis 15 Minuten) ist auch für einen sehr reichen Staat anders nicht zu bewerkstelligen, außer seine Fläche ist sehr klein.

      • barsoap@lemm.ee
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        6 days ago

        Denk’ weniger Feuerwehr sondern Katastrophenschutz im allgemeinen und denk weniger aktives Personal sondern Reserve. “Nur Grundlehrgang” über den bist du als Einsatzleiter ganz schnell sehr glücklich wenn mal wieder ein Hochwasser ist und du unzählbar viele hast die sich freiwillig melden, die du aber nicht einsetzen kannst weil sie noch nicht mal die Organisationsstrukturen kennen.

        Außerdem wird so der freiwillige aktive Nachwuchs für die ganzen Organisationen sichergestellt: In der Vergangenheit ist man als Verweigerer da aufgelaufen, es hat einem gefallen, dann ist man geblieben. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht fehlen diese Leute.

        • trollercoaster@sh.itjust.works
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          6 days ago

          Praktisch verwertbare Kenntnisse, die in einem sinnvollen Maß über das hinausgehen, was man als Einsatzleiter von Passanten bekommt, die man sich auf der Straße einsammelt und zur Hilfeleistung verpflichtet, (darf man in den meisten Bundesländern) bekommt man durch eine so kurze Ausbildung ohne regelmäßige Übung danach nicht. Der Aufwand, den Leuten in 6 Monaten überhaupt was Sinnvolles beizubringen, ist immens und würde von Ehrenamtlichen gestemmt werden müssen, den Dienstverpflichteten müsste außerdem dafür ggf. persönliche Schutzausrüstung gestellt werden, die nicht gerade wenig Geld kostet. Auch wenn man die wiederverwendet, braucht die Platz und muss verwaltet und gereinigt werden (Die eigenen Einsatzklamotten zuhause in der privaten Waschmaschine waschen macht man heute nicht mehr, aus Gründen der Kontaminationsverschleppung). Außerdem passen nicht alle Größen Allen und es gehen bei Benutzung Sachen kaputt.

          Beim von Dir angesprochenen Hochwasser braucht man viele Leute, die Sandsäcke füllen oder schleppen, oder hinterher beim Aufräumen Leute, die die Straße kehren. Was die mitbringen müssen, sind 2 Hände und 2 Füße. Die Tätigkeiten selbst kann ein dressierter Affe, das bringt man zufällig auf der Straße aufgegriffenen Passanten in 5 Minuten bei, wenn die das (im Fall von Straße Kehren) nicht schon können. Kenntnis der Organisationsstrukturen ist dafür ungefähr so nützlich, wie ein Geschwür am Arsch, die Leute müssen nur ihren konkreten Ansprechpartner für den Einsatz kennen. Und der ist meistens daran zu erkennen, dass er so einen komischen Hut auf und eine bunte Warnweste an hat.

          • barsoap@lemm.ee
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            6 days ago

            Ich hab ca. null plan von dem was die Feuerwehr so an Qualifikationen macht aber du kannst mir nicht erzählen dass man Leute die zu wenig mehr als Schlauch ausrollen nicht zu gebrauchen sind nicht gebrauchen kann: Denn dann müssen die die sich mit Feuer auskennen, den Angriff machen, eben nicht Schläuche rollen.

            Im Sanitätsdienst willste nicht nen RettSan damit beschäftigen Pflaster zu kleben oder auf einen Schockpatienten aufzupassen, die haben dringenderes zu tun. Irgendjemandem von der Straße kannste aber auch nicht nehmen ansonsten hast du gerne gleich zwei Schockpatienten. Deshalb ist bei uns jeder Sanitätshelfer und das passt in sechs Monate locker rein, incl. Übungen und auch Einsatzerfahrung. Nicht im Rettungsdienst sondern auf Messen, Konzerten, usw.

            Frag’ mal eher in die Richtung “Wenn wir jemanden hier für sechs Monate haben, was können wir ihm beibringen damit er im Katastrophenfall nützlich ist”. Nicht “Der muss alles verstehen” oder “Der kann Sandsäcke tragen” sondern “der kann den aktiven, richtig ausgebildeten, den Rücken frei halten”. Und vieleicht gibt’s sowas bei den Brandis nicht. Is kein Ding, dann nehmen wir die Leute.

            • trollercoaster@sh.itjust.works
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              6 days ago

              Das Problem, das ich da sehe, ist hauptsächlich das eh schon knappe Lehrgangsangebot und die Kosten für die persönliche Schutzausrüstung.

              Eine so kurze Dienstzeit wie ein halbes Jahr kann keine Organisation personell und finanziell auf Dauer stemmen. Die unteren Lehrgänge in der (freiwilligen) Feuerwehr werden überwiegend auf Kreisebene (teilweise sogar auf kommunaler Ebene) durch ehrenamtliche Ausbilder ausgebildet, die im besten Fall eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen, um ihre Fahrtkosten zu decken. Die genauen Details sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, hab da nur direkte Erfahrungen in meinem Bundesland (Hessen).

              Die formale Ausbildung ist in der FwDV 2 bundesweit geregelt.

              Die eigentliche Grundausbildung besteht aus 2 Teilen:

              1. Dem Grundlehrgang von 70 Stunden (auf kommunaler und Kreisebene in der Regel als Wochenendlehrgang von 5 Wochenenden, auf Landesebene 2 Wochen am Stück, aber die sind, seitdem es das FSJ gibt, für Normalsterbliche, die evtl. terminliche Probleme mit dem Wochenendlehrgang haben, nicht mehr zu kriegen. Vereinzelt werden inzwischen auch auf Kreisebene Vollzeitlehrgänge angeboten, das steht und fällt aber mit der Verügbarkeit der ehrenamtlichen Ausbilder) Voraussetzung für den Grundlehrgang: ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs, den es dank gesetzlicher Änderungen in anderen Bereichen (Führerschein) praktisch nicht mehr gibt. In meinem Landkreis wurde der inzwischen in den Grundlehrgang integriert, weil er sonst nicht mehr zu kriegen war.
              2. 80 Stunden Standortausbildung innerhalb eines Jahres. (Ausgebildet durch die ehrenamtlichen Führungskräfte vor Ort)

              Bei mir im Landkreis normalisiert sich das Lehrgangsangebot nach Corona jetzt endlich mal (4 Grundlehrgänge je 32 Teilnehmern im Jahr), aber bis der Rückstand abgearbeitet ist, wird noch dauern. (2020 und 2021 war bis auf wenige Ausnahmen faktisch Lehrgangs- und Übungsverbot, danach sind die Lehrgänge erst sehr schleppend wieder angelaufen)

              Natürlich kann man Leuten in weniger Zeit beibringen, wie man einen Schlauch ausrollt, aber sogar bis man das vernünftig kann, braucht es Zeit und wenn man das nicht regelmäßig übt, verlernt man das auch wieder. So vermeintliche Kleinigkeiten wie den Schlauch windungsfrei ausrollen, sind tatsächlich sicherheitsrelevant, denn an einem in die falsche Richtung verdrehten Schlauch können sich die Kupplungen lösen, wenn Druck draufkommt und sich infolgedessen die Windungen rausdrehen. Wenn man die Kupplung dann an das falsche Körperteil kriegt, gibt das im besten Fall blaue Flecken und schlechte Laune beim direkt Betroffenen und der armen Sau, die dann kein Wasser bekommt, im schlimmsten Fall ist ist der Rettungsdienst gefragt. Bei den in der Feuerwehr üblichen Drücken wirken da schon erhebliche Kräfte. Eine weitere vermeintlich harmlose aber potenziell lebensgefährliche Tätigkeit für Anfänger, bei der man zudem noch ganz leicht nicht unerheblichen Sachschaden anrichten kann, ist Wasser aus Unterflurhydranten entnehmen. Wenn man das Standrohr falsch setzt, hebt das beim Aufdrehen gerne mal ab. Sehr schlecht, wenn man da im Weg steht. (auch wenn es nach dem Abheben wieder runterkommt) Da hilft die Schutzkleidung inklusive Helm nur noch bedingt. Außerdem kann man, wenn man das Teil falsch spült, (trotz inzwischen vorgeschriebener Ausrüstung zum Trinkwasserschutz) Dreck ins Wasserleitungsnetz drücken. Der Wasserversorger freut sich.

              • barsoap@lemm.ee
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                6 days ago

                Bei uns sind die Ausbilder auch sehr überwiegend ehrenamtlich, insofern könnte man ganz schnell ganz viel Kapazität haben wenn man da Vollzeitstellen finanziert. Persönliche Ausrüstung ist bei uns Stiefel und Rotjacke, Hose, Pulli, und Poloshirt gibt’s auch noch dazu, das hält sich sehr in Grenzen.

                Geld wird das ganze schon kosten, is schon klar. Wenn sechs Monate bei der Feuerwehr keinen Sinn machen dann könnte man z.B. ja auch bei euch eine längere Mindestzeit haben, wer das nicht will der geht halt woanders hin. Bundeswehr wird sicherlich auch niemanden für nur sechs Monate wollen.

                • trollercoaster@sh.itjust.works
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                  5 days ago

                  Bei uns sind die Ausbilder auch sehr überwiegend ehrenamtlich, insofern könnte man ganz schnell ganz viel Kapazität haben wenn man da Vollzeitstellen finanziert.

                  Das müsste dann aber vom Bund finanziert werden, denn Kreise und Kommunen gehen größtenteils, was Geld angeht, schon auf dem Zahnfleisch. Außerdem besteht ein guter Teil der Ausbildung aus Standortausbildung und die ehrenamtlichen Führungskräfte, die das machen dürfen, werden sich bedanken, wenn da ständig neue Leute für ein kurzes halbes Jahr dazukommen und lernen müssen, wie man einen Schlauch ausrollt und wenn sie endlich gelernt haben, wie lang ein 20m-B-Schlauch ist, wieder verschwinden.

                  Persönliche Ausrüstung ist bei uns Stiefel und Rotjacke, Hose, Pulli, und Poloshirt gibt’s auch noch dazu, das hält sich sehr in Grenzen.

                  Helm, Stiefel, Hose, Jacke und Handschuhe sind das Mindeste, was man in der Feuerwehr braucht, und seit Corona sind die Lieferzeiten für die einfachsten Sachen teilweise echt gruselig. Mussten schon mehrfach auf ein Paar Stiefel oder eine Hose ein halbes Jahr warten. Liegt alledings auch mit daran, dass die Normung inzwischen so lax ist, dass es von jedem Ausrüstungsgegenstand drölf verschiedene Ausführungen von genauso vielen verschiedenen Herstellern gibt und die öffentliche Hand natürlich erstmal grundsätzlich die billigste kauft. Das machen natürlich Alle, und deshlab sind dann kleinere Hersteller, die zu dem Zeitpunkt der Bestellung mal zufällig der Billigste waren, schnell überlastet und kommen mit der Lieferung nicht nach. Preislich liegt das pro Person inzwischen bei um die 500€, wenn man nur die einfachen Klamotten für technische Hilfeleistung nimmt. Nimmt man die Brandschutzklamotten, sind da gleich knapp 2000€ fällig. (Wäre in dem Fall Blödsinn, denn in einem halben Jahr kommt man ausbildungstechnisch nicht dazu, die jemals zu brauchen)

                  Geld wird das ganze schon kosten, is schon klar. Wenn sechs Monate bei der Feuerwehr keinen Sinn machen dann könnte man z.B. ja auch bei euch eine längere Mindestzeit haben, wer das nicht will der geht halt woanders hin. Bundeswehr wird sicherlich auch niemanden für nur sechs Monate wollen.

                  Ja, eine längere Dienstzeit wäre sinnvoll. Vor der Aussetzung der Wehrpflicht gab es ja auch für den Ersatzdienst in KatS-Organisationen eine an die Realität der Organisationen (Dienst ehrenamtlich nebenbei, statt Vollzeit) angepasste Dienstzeiten. Weniger als 5 Jahre halte ich nicht für sinnvoll, wenn die KatS-Einheiten autark (ohne Ehrenamtliche “von außen”, z.B. als Führungskräfte) funktionieren sollen. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt, wir haben damals unsere Zugführer selbst aus unserer Mitte gewählt. Das ging nur, weil die Dienstzeit lang genug war, dass man innerhalb der Zeit nicht nur theoretisch im Schnelldurchlauf, sondern ganz praktisch und im Einsatz brauchbar, verbunden mit etwas Erfahrung, die entsprechenden Führungslehrgänge machen konnte. (Rein theoretisch könnte man zwar, wenn die Sterne günstig stehen, die Ausbildung vom Grundlehrgang bis zum Zugführer in weniger als 2 Jahren durchziehen, aber gute Führungskräfte bekommt man damit in der Regel nicht, denn denen fehlen dann die ganzen Sonderlehrgänge und eine gute Portion Lebens- und Einsatzerfahrung)

      • trollercoaster@sh.itjust.works
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        5 days ago

        EDIT: Dafür aber auch, das muss man sagen, mit unserem eigenen Geld und manchmal wenn der Bürgimeister richtig gönnt gibt’s auch ne Suppentasse Gulasch auf Nacken von Gemeinde beim acht Stunden Lehrgang am Samstag.

        Hier ist die Verpflegung auf Lehrgängen legendär. Bezahlt vom Kreis, gekocht von Ehrenamtlichen am Standort, an dem der Lehrgang stattfindet. Und auf Landeslehrgängen ist die unironisch so gut, dass Du 1-2 Kilo schwerer nach Hause kommst.

          • trollercoaster@sh.itjust.works
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            4 days ago

            Dass Lehrgangsteilnehmer für ein Präsent für das Küchenteam sammeln ist nicht unüblich. Einmal haben wir denen auch mal nen “goldenen Kochlöffel” überreicht. Das war aber auch 5-Sterne-Bewirtung, was die da auf die Beine gestellt haben.

    • zaphod@sopuli.xyz
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      7 days ago

      Feuerwehr, THW und co. gingen damals schon als Ersatzdienst. Da musste man sich dann aber für fünf Jahre verpflichten wenn ich micht nicht irre. Das ganze war halt nicht vollzeit. Dafür konnte man dann, außer Bereitschaft und ein paar Wochenenden für Ausbildung und Übungen, ein normales Leben nebenbei führen.

      • trollercoaster@sh.itjust.works
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        7 days ago

        Fünf Jahre war nur ganz zum Schluss, früher war das deutlich mehr, die Dienstzeit wurde nur mit jeder Verkürzung des Wehrdienstes mit verkürzt.

        Ich selbst hab mich damals noch auf 7 Jahre zum Katastrophenschutz verpflichtet, und kenne Leute, die das noch 10 Jahre machen mussten. Das waren aber Alles Leute, die das eh gemacht hätten. Fünf Jahre halte ich auch schon für sehr kurz, denn mit einer so kurzen Dienstzeit wird es grenzwertig schwierig zu realisieren, dass Katastrophenschutzeinheiten, die nur aus Verpflichteten bestehen, sich selbst führen (wir haben damals unsere Führungskräfte gewählt), denn auch wenn es möglich ist, in so kurzer Zeit Jahren die nötigen Führungslehrgänge zu haben, ist es nicht unbedingt sinnvoll, das zu machen, weil da zu oft noch die (sowohl Einsatz- als auch Lebens-) Erfahrung fehlt, die gute Führungskräfte ausmacht.

        • zaphod@sopuli.xyz
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          7 days ago

          Die Leute sind ja nicht unbedingt nach Ende ihrer Verpflichtung abgehauen. Momentan läuft es ja auch halbwegs nur mit wirklich freiwilligen, Pflichtfeuerwehren sind eine Seltenheit.

          • trollercoaster@sh.itjust.works
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            7 days ago

            Die Leute sind ja nicht unbedingt nach Ende ihrer Verpflichtung abgehauen.

            Da gab es solche und solche. Selbst hab ich vorwiegend die erlebt, die danach geblieben sind, aber das liegt auch daran, dass die ausnahmslos schon vor ihrer Verpflichtung dabei waren. Aber darauf wurde bei mir in der Wehr auch geachtet.

            Momentan läuft es ja auch halbwegs nur mit wirklich freiwilligen, Pflichtfeuerwehren sind eine Seltenheit.

            Im Moment noch. Die Luft wird aber flächendeckend zunehmend dünn. Und das ist ein gesellschaftliches Problem.

            • barsoap@lemm.ee
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              6 days ago

              Als jemand der vorher schon dabei war und sich schon vor der Musterung verpflichtet hat und jetzt kaum was macht: Es würde sich lohnen die Reserve aktiver zu pflegen, aber zwischen aktiv und raus gibt’s im Prinzip null Angebot.

    • PatrickYaa@lemmy.one
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      7 days ago

      Nach nem halben Jahr bei der Feuerwehr kannst du halt immernoch nichts. Auf jeden fall bei der Freiwilligen. Da nützt ein halbes Jahr auch nichts. Und die Berufsfeuerwehr braucht keine Lappen, die da nur sind um nicht an der Waffe dienen zu müssen. Absolut hanebüchen das mit dem halben Jahr bei der Feuerwehr (oder THW)

    • trollercoaster@sh.itjust.works
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      7 days ago

      Mit einem halben Jahr bei der Feuerwehr könnte ich mich sogar anfreunden, auch wenn es wahrscheinlich sehr anstrengend wäre.

      In einem halben Jahr hast Du nicht mal Grundlehrgang. Da kostest Du nur Geld für Ausrüstung und jemand muss dich babysitten, dass Du weder Dich selbst, noch jemand anderen umbringst.

        • trollercoaster@sh.itjust.works
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          6 days ago

          Ja. Wobei woanders von den einfachen Arbeiten meistens kein Leben abhängt und die nicht regelmäßig unter extremstem Zeitdruck unerwartet zu absolut bescheuerten Uhrzeiten und bei jedem Wetter richtig gemacht werden müssen. (Wenn Du nachts um 3 aus dem Bett fällst, weil es brennt, oder sonstwas blödes passiert ist, brauchst Du ein gewisses Maß an Ausbildung und Erfahrung, um dann zu funktionieren, wer neu in dem Geschäft ist, verhält sich da erstmal wie ein aufgescheuchtes Huhn)

          Mit einer Handvoll Leuten mit geringem Ausbildungsstand kann man arbeiten, denn da hat man genug erfahrene Leute, um auf die aufzupassen. (Schon gemacht, wenn man genug Erfahrene hat, geht das erstaunlich gut, da ist jeder Einsatz auch eine Übung)

          Allerdings gibt es solche Leute mit geringem Ausbildungsstand jetzt schon und die hat es schon immer gegeben, im Rahmen der normalen Erneuerung des Personals der Organisationen. (Alle fangen mal klein an) Wenn jetzt plötzlich viel mehr solche Leute in den Organisationen aufschlagen, sind die nicht sinnvoll einsetzbar, weil man dann nicht genug Erfahrene hat, um auf die alle aufzupassen. Wenn noch dazu klar ist, dass die Leute größtenteils nach einem halben Jahr wieder weg sind, wird auch kaum jemand Bock darauf haben, das auch noch zu tun.

          Dazu kommt noch die Ausstattung der Leute, spätestens seit Corona sind ja “Lieferkettenprobleme” allgegenwärtig und weithin bekannt. Mit Einsatzkleidung gibt es die auch. Dass man mal locker ein halbes Jahr auf ein Paar Stiefel wartet, hab ich schon mehrfach erlebt. Bei einem halben Jahr Dienstzeit ist halt der Dienst dann vorbei und die für teuer Geld beschaffte Ausrüstung liegt irgendwo im Weg rum, bis vielleicht irgendwann mal wieder jemand kommt, dem die Größe passt.

    • Petter1@lemm.ee
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      6 days ago

      Hast du echt das Gefühl, dass es keinen Erwerbsersatz geben würde??

      • Don_alForno@feddit.org
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        6 days ago

        Äh … ja? Also es wird dann sowas geben wie den Zivi Sold. Wer nicht bei den Eltern wohnt, hat damit keine Chance.

        • Petter1@lemm.ee
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          6 days ago

          Wenn du Zivi machst, in der Schweiz, hast du 80% deines normalen Einkommen zu gute (also gleich wie im Militär).
          Zusätzlich ist Essen bezahlt.

          Die meisten haben während des Einsatzes sehr geringe Ausgaben, und kommen generell mit sehr positiver Bilanz auf dem Konto zurück ins real life.

          Dachte die Grünen in Deutschland hätten es in diesem Sinne geplant.

          • Don_alForno@feddit.org
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            6 days ago

            Wir sind hier nicht in der Schweiz. In Deutschland gab es zuletzt 350€ oder so im Monat für einen Zivi. An mehr glaube ich frühestens, wenn der Bundestag abgestimmt hat.

  • Petter1@lemm.ee
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    6 days ago

    Hier in der Schweiz müssen alle Männer für 9 Monate ins Militär, und wenn man nicht will (nach Gesuch), dann 12 Monate Zivildienst (arbeiten für die Allgemeinheit).

    Ich fände es fair, wenn Frauen auch müssten und wenn man vorab gefragt wird, und wenn militärischer Dienst nicht kürzer wäre…

  • Elchi@feddit.org
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    7 days ago

    Leute die ihren Freiheitsdienst auf der Baustelle verbringen sind dann Freimaurer.

    • azolus@slrpnk.net
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      7 days ago

      Ich wäre ja für Dreher und Fräser, dann kann ich endlich mal richtig freidrehen!

  • Banthex@feddit.org
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    6 days ago

    Mal anders gedacht. Ist das nicht einfach eine Vorbereitung auf das Szenario das man davon ausgeht das Russland in Jahren angreift. Das macht doch dann einfach nur Sinn. In diese Position würden wir nach Kriegseintritt eh gelangen. So könnte man die Gesellschaften vorbereiten. Generell wäre ich dagegen aber in der aktuellen Situation?

    • Valerie@feddit.org
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      6 days ago

      Also ich finde das eine gute Idee, vor allem unter dem Aspekt, dass man frei wählen kann, wann man diese Zeit ableisten will. So zerschießt sie einem nicht die Lebensplanung und man hat vielleicht am Ende Fachkräfte die mehr Bock haben als der abgefuckte 17 Jährige zivi…

  • zqps@sh.itjust.works
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    6 days ago

    Ich hätte nicht allzu viel gehabt gegen 6 Monate bei der Feuerwehr oder beim THW.

    Ein Problem mit dem Konzept ist aber sicherlich, dass geneu all die zur Armee rennen, die man dort nicht oder höchstens zum geringen Anteil haben möchte.

    • trollercoaster@sh.itjust.works
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      6 days ago

      Ich hätte nicht allzu viel gehabt gegen 6 Monate bei der Feuerwehr oder beim THW.

      Genau in den Organisationen funktioniert ein so kurzer Dienst aber nicht. Der belastet nur die Organisation mit Kosten für Ausrüstung und Aufwand für Ausbildung von Leuten, die schon wieder weg sind, bevor sie einen Ausbildungsstand erreichen, mit dem man sie gebrauchen kann.

      Ein Problem mit dem Konzept ist aber sicherlich, dass geneu all die zur Armee rennen, die man dort nicht oder höchstens zum geringen Anteil haben möchte.

      Das ist ja jetzt auch schon so. Bei einem Pflichtdienst ist die Chance größer, dass das auch ein paar andere Leute machen.

    • renormalizer@feddit.org
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      6 days ago

      Grundausbildung beim THW sind allein um die 6 Monate. Ist ja gut, wenn mehr Leute mal mit Katastrophen- und Zivilschutz in Kontakt kommen, aber wenn man Pech hat, bekommen die ihre Uniform wenn die Dienstzeit zu Ende ist. Der Dienst ist nicht so zeitintensiv, wir reden hier von ein paar Stunden pro Woche. Man kann das also neben Arbeit/Ausbildung/Studium machen.

      Deshalb wäre eine Verpflichtung über ein paar Jahre machbar und aus Sicht der Organisationen sinnvoller. So war es auch zu Zeiten der Wehrpflicht, wo man sich 6 bzw. 4 Jahre verpflichtet hat und dann halt nicht verweigern oder zum Bund gehen musste.

  • MIXEDUNIVERS@discuss.tchncs.de
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    6 days ago

    Ich habe ein FSJ hinter mir und ich muss sagen. Persönlich hat es mir in der Entwicklung und Zusammen arbeit mit anderen geholfen. Ich bin aber such seit Jahren Ehrenamtlich in der Leitung von vers. Jugendgruppen.

    Generell ginde ich es gut wenn sich Leute sozial engagieren. Und die Altenpflege und Malteser… könnten gut mehr Fsjler und Bfdler gebrauchen. ABER: Diese Leute sollen es Freiwillig tun, weil wer gezwungen ist und sein teil mit borderline Arbeitsverweigerung tut ist einfach nur Balast. Sie sollten ANREIZE schaffen. z.B. wer in einem Eingetragenen Verein ein Ehrenamt oder FSJ… tut bekommt für die Rente ihrgentwelche Unterstützung, oder sonst ihrentwelche Ausnahmen oder Hilfen. Mir fällt jetzt kein Supertolles Beispiel ein, aber etwas was menschen motiviert für die Gesellschaft etwas zu tun. Und wer nicht will muss nicht, verzichtet aber auf vorteile

    • iamkindasomeone@feddit.orgOP
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      6 days ago

      Ich hab ein Problem mit der Grunddefinition von “was für die Gesellschaft tun”. Wer entscheidet, was gut für die Gesellschaft ist? Im Gegenzug wird immer von der armen zerbrechlichen Wirtschaft gefaselt, und jeder müsse anpacken und mehr arbeiten, für das Land. Dann heißt es wieder, Leute müssen irgendwas soziales tun, für das Land. Gleichzeitig sind wir als Pöbel doch nicht mehr als Nutzesel, die in einer Gesellschaft leben, mit der viele nicht einverstanden sind. Also was erwartet man denn jetzt? Und mit welcher Begründung? Reicht die Lohnbuckelei nicht aus? Müssen wir jetzt auch noch völlig sinnlos entweder an die Waffe, oder bei der Feuerwehr blöd rumstehen? Wofür? Für die Politik dieses Landes, die unsere Interessen mit Füßen tritt und uns gegenseitig ausspielt? Für das BIP? Oder reicht es nicht, wenn die Leute ihr Leben leben und die, die Bock haben, sich etwas suchen, worin sie aufgehen?

      • foenkyfjutschah@programming.dev
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        6 days ago

        so ist das in der demokratie; die eliten verhandeln offen die modalitäten der ausbeutung und wir dürfen hier auch was schreiben.

    • Obelix@feddit.org
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      6 days ago

      Ich glaube, dass wir hier extrem unterscheiden müssen und dass genau diese Unterscheidung wichtig ist: Bei einem verpflichtenden Wehr- oder Zivildienst handelt es sich um eine maximale Freiheitseinschränkung. Im Kern ist das schlicht und einfach Zwangsarbeit, der Staat verpflichtet dich zig Monate deines Lebens dann in einer unfreien Situation zu sein, aus der du so einfach nicht rauskommst.

      Das ist fundamental anders als ein FSJ, das ja wirklich freiwillig ist. Natürlich haben auch damals Leute was aus dem Wehrdienst mitgenommen, aber andere haben auch massiv gelitten.

    • schnapsidee@feddit.org
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      6 days ago

      Sehe das genau so. Man kann die ehrenamtliche Zeit einfach als Rentenpunkte oder als Entlastung bei der Steuerklärung geltend machen. Von einem Zwang hat am Ende niemand was.

      In 6 Monaten bleibt sowieso keine Zeit, um mehr als rudimentäre Dinge beizubringen. Da verschwendet man am Ende nur die Zeit der Ausbilder und der “Freiwilligen”.

      • MIXEDUNIVERS@discuss.tchncs.de
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        5 days ago

        das finde ich ein guter Vorschlag. Es sollte halt so ansprechbar sein das es für Leute aus gut verdienenden und Einkommensärmeren Familien beides anspricht

  • Mora@pawb.social
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    6 days ago

    Endete die Debatte fürs FSJ nicht damit, dass die meisten 1 Jahr lang nur sinnlose Arbeiten machen, weil keine Zeit (und logischerweise auch keine Lust) da ist die einzuarbeiten? Wie soll das bei 6 Monaten besser werden?

  • cyberblob@discuss.tchncs.de
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    6 days ago

    Die Grünen tragen in dieser Debatte imho selten etwas Realitätsnahes und Pragmatisches bei. Dieser Vorschlag hingegen klingt erstmal durchweg positiv und ich würde ihn unterstützen.

    • trollercoaster@sh.itjust.works
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      6 days ago

      Immerhin ein Vorschlag, wo man über die Sinnhaftigkeit von Details der Umsetzung diskutieren kann (Für manche Organisationen ist eine so kurze Dienstzeit maximal kontraproduktiv) und nicht über den Grundgedanken des Vorschlags als solchen.

  • gnuhaut@lemmy.ml
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    7 days ago

    | »Es ist an der Zeit, die Frage zu stellen: Was kannst du für dein Land tun?«,

    Ich will mir aber diese Frage gar nicht stellen, aber das soll nicht erlaubt sein beim unfreiwilligen “Freiheitsdienst”. Und was heißt hier “mein” Land? Mir gehört hier gar nichts, und es wird hier konsequent gegen meine Meinung und meine Interessen geherrscht.

    »Durch den Freiheitsdienst verbinden wir Generationen und Milieus, stärken unsere Gesellschaft und verteidigen, was uns wichtig ist.«

    Mit Milieus sind da auch Klassen gemeint? Zwangsweise Klassenkollaboration oder wie? Schwer vorstellbar, dass der Milliardär dann neben mir Zwiebeln schneidet, während ich Kartoffeln schäle. Kommt bestimmt noch eine Ausnahme.

    Oder vielleicht meinen die mit “Milieu”, dass hier marginalisiert Ausländer und Arbeitslose mit rassistischen Stammtischbrüdern oder chauvinistischen grünen Besserverdienern quasi zwangsintegriert werden. Ich freu mich schon so. Darf man da eigentlich wechseln, wenn die Kollegen die ersten *-istischen Kommentare ablassen?

    Das “was uns wichtig ist” ist auch geil. Genau! Was euch wichtig ist! Da gibt’s offensichtlich eine Meinungsverschiedenheit! Was ihr verteidigen wollt, will ich abschaffen. Ausbeutung und Zwangsarbeit zum Beispiel.

    • copacetic@discuss.tchncs.de
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      7 days ago

      Mir gehört hier gar nichts

      Dir gehören zum Beispiel Menschenrechte (freie Meinungsäußerung, Wahlrecht, etc). Auch eine Menschwürde laut Grundgesetz und daraus abgeleitet eine Grundabsicherung (Bürgergeld). Bisher hat es unser Staatsapparat geschafft das zu erhalten. Würde bspw Russland uns einnehmen, dann würden wir das verlieren.

      • gnuhaut@lemmy.ml
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        7 days ago

        Der deutsche Staat tritt Menschenrechte mit Füßen. Er lässt Menschen an den Außengrenzen absaufen und steckt sie in Lager. Gerade Hilft er tatkräftig mit bei einem Völkermord. Hat alle möglichen Sanktionen verhängt, die Menschen umbringen. Hilft mit beim Auspressen armer Länder durch Schuldknechtschaft. Beteiligt sich selbst an Angriffskriegen. Und und und.

        Freie Meinungsäußerung wird kriminalisiert hier, schau dir mal wie die letztes Jahr den Palästina-Kongress präemptiv dichtgemacht haben, wie viele Proteste verboten wurden, und wie viele dort regelmäßig verhaftet werden. Ein palästinensisch-britischer Arzt und Professor, der in Gaza operiert hatte, und der auf dem Palästina-Kongress auftreten sollte, wurde bei der Einreise verhört und dann in den Flieger zurück gesetzt. Danach haben sie ihm ein Betätigungsverbot auferlegt (für die gesamte EU und ein Jahr, glaube ich), so dass er nicht mal per Video-Schalte auftreten durfte. Yanis Varoufakis (EU-Bürger) haben sie auch nicht einreisen lassen. Und wie gesagt die Veranstaltung kurz nach Beginn aufgelöst, nicht weil was illegales gesagt wurde, sondern schon mal vorsorglich.

        Dieses Jahr hatte die UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, Albanese, einen Auftritt. Die Polizei hat sich Zutritt verschafft, um die freie Meinungsäußerung zu beobachten und gegebenenfalls auch zu beenden können. Die Veranstaltung konnte stattfinden, aber ein Film wurde nicht gezeigt, weil die Polizei davor gewarnt hatte.

        Studenten werden hier vor Gericht gestellt und exmatrikuliert, weil sie bei Campus-Protesten mitgemacht haben.

        Gleichzeitig dürfen Hetze, Völkermordleugnung und Aufrufe zu Angriffskriegen frei geäußert und diskutiert werden, bzw. werden direkt von Politikern in hohen Staatsämtern geäußert.

        Bürgergeld kann gestrichen werden, wenn man sich weigert irgendwelche Kackjobs anzunehmen. Zwang sich ausbeuten zu lassen, wenn man ein Dach über dem Kopf und was zu Essen haben will. Der Staatsapparat arbeitet seit Jahrzehnten daran, die sozialen Sicherungssysteme kaputtzumachen. Den dafür zu loben, dass er sie noch nicht komplett zerstört hat, während Leute gestorben sind deswegen (Sozialmord) ist der blanke Hohn.

      • Random_German_Name@feddit.org
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        7 days ago

        Dir gehören zum Beispiel Menschenrechte (freie Meinungsäußerung, Wahlrecht, etc).

        Die 600k Menschen mit Duldung z.B. haben kein Wahlrecht, dürfen nicht arbeiten, aber müssten trotzdem „ihrem Land“ dienen

        Auch eine Menschwürde laut Grundgesetz und daraus abgeleitet eine Grundabsicherung (Bürgergeld).

        Das Bürgergeld stellt laut Bundesverfassungsgericht keine Grundabsicherung dar

        Bisher hat es unser Staatsapparat geschafft das zu erhalten.

        Nö.

      • itslilith@lemmy.blahaj.zone
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        6 days ago

        Super, das Totschlagargument: in Russland ist es schlimmer. Dann ist ‘unser’ Staat ja jedweder Kritik gefreit /s

        Ne aber ehrlich: Deutschland exportiert Waffen in alle Welt, vernichtet zu Gunsten der Autoindustrie die Umwelt, unterstützt aktiv, diplomatisch und materiell, einen Genozid und verhaftet Menschen, die dagegen protestierten…

        Auch im kleineren ist der Staat nicht ‘meiner’: Erbschaftssteuer gilt nur für Arme, Reiche vererben steuerfrei. Es gibt viele solche Beispiele.

        Als trans Frau darf ich noch nicht einmal über meinen eigenen Körper entscheiden: ich muss mir erst vom Psychologen bestätigen lassen, dass ich psychisch krank bin.

        Scheiß auf Deutschland. Ernsthaft. Na klar ist es anderswo noch beschissener, aber deswegen müssen wir den deutschen Staat nicht schönreden.

  • polle@feddit.org
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    7 days ago

    Alle Frauen und Männer sollen irgendwann zwischen 18 und 67 Jahren sechs Monate Dienst tun Nachdem hier alle abgehen das die jungen wieder büßen sollen (was mich auch ankotzt), werden hier speziell doch alle angesprochen. Also fast alle, natürlich Rentner wiedermal nicht 🤣. Ansich ist die idee doch garnicht so blöd?

    • Latschenkiefer@feddit.org
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      7 days ago

      6 Monate etwas für die Allgemeinheit tun ist jedenfalls viel schlimmer, als wegen seiner Meinung ins Gefängnis zu kommen oder aus einem Fenster zu fallen. /s

      • Saleh@feddit.org
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        6 days ago

        Wäre halt schön, wenn das nicht in diesem Pseudo-Freiheit-Patrioten-Schmarrn eingepackt würde. Wohin das führt, sehen wir aktuell wieder in den USA.

        • cyberblob@discuss.tchncs.de
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          6 days ago

          Es hat aber was mit Freiheit zutun. Da ist nichts mit Pseudo. Geh mal nach Russland und kritisiere die Regierung. Mal schauen wie es dir dann ergeht.

      • sadTruth@lemmy.hogru.ch
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        6 days ago

        Was wäre denn deiner Meinung nach die gerechte Strafe für die Verweigerung des Freiheitsdiensts? Gefängnis oder Fenster?

  • Lain@feddit.org
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    7 days ago

    Im Endeffekt wird es doch darauf hinauslaufen: Man schiebt den Pflichtdienst auf, bis man 66.5 Jahre alt ist, dann hat man eh schon zu viele chronische Krankheiten und muss ihn nicht mehr leisten.

    Ich fände es sinnvoller, wenn bestimmt Tätigkeiten auch im Rahmen des Berufs als Ableistung gölten. Also beispielsweise bei Arbeit in der Pflege bzw. im Gesundheitswesen, bei der Berufsfeuerwehr, im Kindergarten usw. der Pflichtdienst entfiele.